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Brandungslücke

Was kann man noch glauben?

… na alles was auf Landungsbrücke steht natürlich!


Die Flut ist schon da, obwohl der Klimawandel noch gar nicht richtig losgelegt hat: Informationsflut nämlich und zwar von allen Seiten. Mal heißt es „Schmilzt unsere Erde?“ (Spiegel), mal ist eigentlich alles gar nicht so schlimm, mal sind die bösen CO2-Emittenden namens industrialisierte Menschen schuld, mal ist es allein die gute alte, aber leider launische Mutter Natur.

Das Dilemma ist so alt wie unser Bewusstsein: Wir können nicht die eine wahre Realität erkennen, weil sie über unsere Sinne mittelbar aufgenommen wird und von uns je nach kultureller Prägung interpretiert wird. Dabei ist das Einordnen der vielen Informationen elementar, damit wir handlungsfähig bleiben. Schade nur, das die Informationslage sich besonders verworren beim drängenden globalen Problem Klimawandel zeigt, und zu dumm nur, dass grade hier radikale und gemeinsam koordinierte Handlungen erforderlich sind.

Ein Beispiel: Ist zur klimaverträglichen, gar nachhaltigen Stromversorgung die Kernenergie eine Lösung? Natürlich kann man sich dazu eine Menge Informationen beschaffen und erfährt so, dass z.B. Frau Merkel ohne die Atomenergie die deutsche Stromversorgung in Gefahr sieht und außerdem noch die ehrgeizigen Klimaziele. Aber man erfährt auch, dass es noch nicht einmal gelungen ist, ein wirksames Gefahrensymbol zu kreieren, dass noch in zehntausend Jahren die Menschen vor radioaktivem Müll warnt, dass es keine hundert prozentig sichere Lagerstätte gibt und dass Atomreaktoren in heißen Sommern abgeschaltet werden müssen, weil die wärmer werdenden Flüsse nicht mehr genügend Kühlwasser bereitstellen können. Ja wat denn nu? Ist vielleicht doch der Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr, wenn diese Großtechnologie abgeschrieben und in Know-How nicht weiter investiert wird? Oder verhindert die Atomenergie zusammen mit Kohlekraftwerken etwa den Durchbruch zu einer zukunftsverträglicheren Stromversorgung?

Wie kann man die Informationen bloß zu echtem Wissen ordnen und sodann alle davon überzeugen? Informationen können aufgrund der Konstruktion von wahrgenommener Realität nur zu subjektivem Wissen, also besser Ansichten führen. Anders gesagt: Man kann nichts wissen, sondern muss glauben, denn Objektivität ist – hart gesprochen – ein Schein. Wo kommt denn dann her, was man glaubt? Das globale Geschehen ist meist gar nicht direkt erfahrbar, sondern muss durch die Augen anderer und die Medien vermittelt werden – was kann man denn davon glauben? FAZ, Tagesschau und Spiegel-Online? Indymedia, taz und Blogs?

Ich weiß es nicht, ich glaube nur, dass es besser ist, den vorsichtigen Stimmen zu glauben wenn es um das Beispiel der unbeherrschbaren Großtechnologie Atomkraft geht. Und denen, die sich die Mühe machen, ihre Positionen ethisch zu begründen und somit zeigen, dass sie sich weitreichende Gedanken gemacht haben.

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Diskussion

3 Kommentare zu “Was kann man noch glauben?”

  1. Machst mir mit deinem ersten Post eine große Freude. (Ja, der Rob wird hier nun öfter mitsenfen) Hab noch soviel zu sagen, aber ich bin drauf und dran, meine Klausur zu verpassen (die beginnt in 6min). Ich werde das nachholen.

    Nachtrag (wie angekündigt): Konrad Kleinknecht titelte heute in der SZ: “Wovor fürchten wir uns? Die deutschen Atomkraftwerke sind sicher, Uran ist noch genug da, und das Problem des Endlagers ist lösbar.” [sic!] Er stützt seine Argumentation auf viele Zahlen und Statistiken. Deutsche AKWs täten seit 30 Jahren ihren Dienst. Frankreich und Japan hätten dreimal soviele Reaktoren wie wir (tolles Argument). Bei den Leichtwasser-Reaktoren gäbe es erst drei ernsthafte (gemeldete) Störfälle. Uran sei billig. Die Vorräte betrügen derzeit 4,6 Millionen Tonnen, hinzu kämen die vom Militär. Die deutsche Versorgung sei also sichergestellt. Wir importieren “überwiegend [!] aus demokratisch regierten Ländern”. 90 Prozent der deutschen Abfälle seien sowieso nur schwach- bis mittelaktiv. Und so weiter, bla bla. Die Klimaziele der Bundesregierung für 2020 seien also nur mit AKWs zu erreichen.
    Aber mal im Ernst und hier möchte ich ben_ zitieren:

    Den Staat ‘Deutschland’, den rechtlichen und organisatorischen Vorgänger der BRD gibt es seit 137 Jahren. Die deutsche Sprache, die praktische alle Kommunikation und Verwaltung in Deutschland regelt, gibt es seit ca. 1200 Jahren. Das Lateinische Alphabet, das der deutsche Sprache seine nachhaltigste Form verleiht, gibt es seit 2700 Jahren. Die Halbwertszeit von Plutonium beträgt 24.100 Jahre. Die Halbwertszeit von Uran beträgt 704 Millionen Jahre.
    Wie kann ich jemanden ernst nehmen, der versucht mir weiss zu machen, man können auf etwas so Gefährliches wie radioaktive Abfälle über einen so langen Zeitraum aufpassen, ohne dass jemandem etwas passiert und ohne dass die Kosten ins Astronomische wachsen?

    Gar nicht.

    Posted by fab | 10. Juli 2008, 8:09
  2. Spätestens nach dem Knall von Tschernobyl,am 26. April 1986 (ist mir gut in Erinnerung geblieben, weil ich von da an meinen Sohn für lange Zeit nicht mehr im Sand spielen und schon gar nicht den Boden oder Rasen im Stadtpark begehen ließ) wissen doch eigentlich alle, das Atomkraft nicht die wahre Lösung ist und alternative Energiereserven, die uns die Natur schenkt, ausgeschöpft werden sollten. Wir haben Sonne und wir haben Wind, was wollen wir mehr - das müssen wir nutzen. Und sollte das nicht reichen, müssten wir eben auf ein bißchen Strom verzichten.
    Der “kleine” Unfall in der südfranzösischen Anlage Tricastin vor kurzer Zeit hat nicht nur in der französischen Öffentlichkeit für erhebliche Unsicherheit gesorgt. Zu widersprüchlich waren die Angaben darüber, welche Gefahr für Mensch und Umwelt von der ausgetretenen, uranhaltigen und damit radioaktiven Lösung ausgeht. Uran ist zweifelsfrei hochgradig krebserregend!
    Ein bißchen in die Flüsse macht doch nix…. sind doch nur erstmal die Fische, die dran glauben müssen! Erst die Fische, dann die badenden Kinder, sind ja nur Menschen, aber vielleicht trifft es ja doch auch mal die Politiker und Atomkraftbefürworter, die dann daran krepieren.
    Natürlich!, lieber Rob und alle anderen, glaubt lieber den Ethikern und den Umweltschützern, die weder machthungrig noch geldgeil sind, sondern sich einfach Sorgen machen, wie wir alle gemeinsam diesen nur geliehenen Planeten auch weiterhin einigermaßen gesund weitergeben können an unsere/Eure Kinder und Enkel.

    Posted by Elke Mama | 11. Juli 2008, 7:54
  3. Es scheint fast so, als würde die Brucke zum Umwelt-Portal ;)

    Posted by fab | 12. Juli 2008, 5:45

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